Meinen Hunden etwas zu lehren, zu sehen wie sie an ihren Aufgaben wachsen und wenn sie plötzlich verstanden haben, um was es geht, das macht meine Freude an der Arbeit mit meinen Hunden aus.

 

Im Obedience muss der Hund je nach Klasse eine Menge an Aufgaben abarbeiten. Wie erkläre ich nun meinem Hund, was er tun soll? Gerade wenn ich einen Junghund ausbilden möchte, gibt es schon viele Dinge zu beachten, die ich im Alltäglichen üben kann.

 

Ein paar Überlegungen vorab:

Welche Grundlagen brauche ich immer und überall, z.B. Sitz/Platz - Bleib, Voraus, Komm oder Hier. Das brauche ich nicht nur im Obedience, auch in der Begleithundeprüfung oder Agility. Liebt mein Hund eher ein Spielzeug oder Leckerli. Möchte ich evtl. mit dem Klicker arbeiten usw. Das von Anfang an mit Spiel und ohne Druck zu trainieren erspart später eine Menge zusätzlicher Trainingszeit und Nerven, ja und evtl. Aufgabe.

 

Schaut Euch die Prüfungsordnungen an und schreibt Euch auf, was mehrfach vorkommt. Wer schon in der jeweiligen Sportart Erfahrungen gesammelt hat, hat schon erlebt, wo immer wieder Knackpunkte sind, die später nur schwer zu verändern sind.

 

Z.B. - Mein Hund kommt in der Distanzkontrolle immer vom Steh ins Sitz/Platz nach vorn. Laßt Euren Hund von Anfang an auf den Befehl "Sitz" nicht nach vorn rutschen. Helft ihm immer die richtige Bewegung zu machen.

 

Wenn Ihr mit dem Klicker arbeitet und nicht wirklich sicher seid, nehmt noch einmal Nachhilfe in einem Seminar. Super Angebote gibt es reichlich oder probiert mal aus, einen Freund/in zu klickern (wie bei dem Spiel heiß/kalt), dann merkt Ihr schnell ob Euer imaginärer Hund Euch versteht.

 

Wie bringe ich einem Hund eine komplexe Übung bei. Es hat keinen Sinn, wenn ich von der Startgrundstellung bis zur Endgrundstellungen meinen Hund direkt abarbeite. Stellt Euch vor, wie Ihr Schreiben gelernt habt, das ging auch nicht gleich per Aufsatz, oder.

Wer klickert hat auch hier einen Vorteil. Nicht nur, dass Ihr schon gelernt habt, wie ich eine Handlungsabfolge aufbaue sondern, dass sie zerlegbar ist in kleine und wiederum kleinere Schritte. Und auch, dass eine Übung vom Ende her aufgebaut werden kann.

 

Nun zur Praxis - nur ein paar Tips:

 

Sitz/Platz - Bleib: Den Abstand zwischen Dir und Deinem Hund nicht zu schnell vergößern.

 

Fußarbeit: Geht nicht zu schnell voran mit der Intervallzeit, bis Ihr Euren Hund belohnt. Am Anfang macht es den Hund sicherer, wenn er vorausschaubar seine Belohnung erhält und wenn das funktioniert, geht zur variablen Belohnung über.

 

Apportieren: Manch ein Hund wird mit dieser Gabe geboren, wenn nicht, laßt Euch alles apportieren, was Eurem Hund Spaß macht. Bietet ihm verschiedene Sachen an und in der Wohnung besteht auch nicht die Gefahr, dass er unereichbar ist. Meiner Pira habe ich das Apportieren mit Plüschies von Mc D schmackhaft gemacht, später hat sie sogar das Metallapportel gebracht.

 

Vorraus oder "Box": Auch wenn in der Klasse 2 und 3 kein Target - die Leine - mehr in der Box liegen darf, ein Target macht das Vorraus einfacher. Wichtig ist, dass gleichzeitig das "Halt" oder "Platz" egal wo und in welcher Situation geübt wird.

 

Steh/Sitz/Platz aus der Bewegung: Sitz und Platz wird bereits für die BH geübt dabei kann man auch ruhig mal nach rechts oder links um die Ecke biegen.

 

Geruchs-ID: Es kann alles mögliche versteckt werden, was man angefasst hat. Das Suchen an sich, macht jedem Hund Spass.

 

Der Fantasie sind eigentlich keine Grenzen gesetzt, wie man etwas lehrt, solange der Bezug zum Ziel da ist. Auf keinen Fall funktioniert es auf Dauer mit Druck. Für den Hund ist es einfach nur ein Spiel. Merlin raste die ersten zwei Prüfungen mit seinem Apportel an mir vorbei und suchte seine Belohnung, die er sonst bekam. Völlig normal und obwohl er etliche Male zuvor im Training eine perfekte Grundstellung als Abschluss gezeigt hatte, war durch die Prüfungssitutation klar zu erkennen, dass dieser Teil noch nicht wirklich in seinem Kopf angekommen war. Nach ein paar weiteren Übungsstunden war das kein Thema mehr.

 

Und was Ihr noch braucht: Vieeeeeeeeeeeel Geduld. Funktioniert mal eine Übung nicht oder ein Teil, den der Hund schon sicher gezeigt hat, dann gestaltet sie so, dass Euer Hund sie positiv bewältigen kann und baut sie wieder weiter aus. Ich nenne das den "Aha Effekt". Banjo hat oft gemeint, "Kann ich das noch mal sehen? " bevor er es tatsächlich begriff. Ja, und wir sind ja auch nicht jeden Tag gleich. Üben, üben, üben... eine Million Mal und in den Portionen, wie sie Euer Hund auch verabeiten kann.

 

Versucht es ruhig, aber Vorsicht, es besteht Suchtgefahr :) .